Europäische Politikexperimente · Projekt 101339880
Empowerment und Motivation von Migrant:innen in der Kompetenzentwicklung

CAFÉ+: Von informellen Sprachcafés zu validierten Weiterbildungspfaden

CAFÉ+ unterstützt zugewanderte erwachsene Lernende: Vertraute informelle Sprachcafés und Nachbarschaftstreffpunkte werden zu Kompetenzcafés – Orte, an denen sie Zukunftskompetenzen aufbauen, anerkannte Microcredentials erwerben und einen Weg in Weiterbildung oder Arbeit finden. Erprobt wird das mit 420+ Erwachsenen in sechs EU-Ländern.

Vertraute Orte Sprachcafés, Bibliotheken und Nachbarschaftszentren, in denen sich Erwachsene schon zu Hause fühlenSprachcafés und Nachbarschaftszentren, in denen sich Erwachsene zu Hause fühlen
Zukunftskompetenzen Zehn Zukunftskompetenzen, aufgebaut im Gespräch – und dabei wird die Landessprache besserZehn Zukunftskompetenzen, aufgebaut beim Üben der Landessprache
Anerkanntes Lernen Microcredentials, die Türen zu Weiterbildung, Arbeitsvermittlung und Arbeitgeber:innen öffnenMicrocredentials, die Türen zu Weiterbildung und Arbeit öffnen
In der NäheIn informellen Sprachcafés und Nachbarschaftstreffpunkten
KostenlosAktivitäten und Materialien für alle kostenlos
6 LänderÖsterreich, Tschechien, Finnland, Griechenland, Rumänien und Spanien
Ab 2028Die ersten Kompetenzcafés öffnen ihre Türen

Die EU treibt die Initiative zur Übertragbarkeit von Kompetenzen voran, damit Qualifikationen, Kompetenzen und nichtformales Lernen über Grenzen hinweg leichter anerkannt werden.

— Roxana Mînzatu, Exekutiv-Vizepräsidentin für soziale Rechte und Kompetenzen, hochwertige Arbeitsplätze und VorsorgeBei ihrem Besuch im Cedefop am 13. März 2026
Über das Projekt

Lernen, das dort beginnt, wo Erwachsene schon sind

2022 nahmen nur 39,5 % der Erwachsenen in der EU an Lernaktivitäten teil – das EU-Ziel liegt bei 60 % bis 2030. Erwachsene mit geringer Qualifikation nehmen viel seltener teil: 2024 hatten nur 12,6 % von ihnen in den letzten 12 Monaten etwas gelernt (Eurostat).

Viele dieser Erwachsenen kommen schon jede Woche in Sprachcafés, Bibliotheken und Integrationszentren. Doch was sie dort lernen, ist selten strukturiert, anerkannt oder mit Weiterbildung, Arbeitsvermittlung und Arbeitgeber:innen verbunden. In unserer Umfrage unter 42 Praktiker:innen aus Sprachcafés sagten 90 %, dass Erwachsene herkömmliche Kurse als schwer zugänglich und stigmatisierend erleben oder sie nicht mit ihren Betreuungspflichten vereinbaren können.

CAFÉ+ vereint sieben Organisationen aus Österreich, Tschechien, Finnland, Griechenland, Rumänien und Spanien: eine öffentliche Integrationsagentur, NGOs, die mit Roma, Migrant:innen und Geflüchteten arbeiten, Organisationen für Erwachsenenbildung und soziale Inklusion sowie ein EdTech-Unternehmen. Ab Jänner 2027 erproben sie 36 Monate lang, wie aus Sprachcafés Kompetenzcafés werden können, und übertragen die Ergebnisse in die Politik.

Für wen?

Erwachsene, die an vertrauten Orten lernenGeringqualifizierte Erwachsene, Migrant:innen, Menschen mit Betreuungspflichten und Erwachsene mit schlechten Erinnerungen an die Schule: Lernen, das in ihr Leben passt, und Anerkennung für das, was sie können.
Moderator:innen und Gastgeber:innen von SprachcafésEine erprobte Methode, sofort einsetzbare Aktivitäten und Schulungen, um aus Gesprächen anerkanntes Lernen zu machen.
Peer-Botschafter:innenMenschen aus der Community, die andere mitnehmen – mit Schulung und einer anerkannten Rolle.
Arbeitsvermittlung, Arbeitgeber:innen und PolitikErkenntnisse aus sechs Ländern, befürwortete Microcredentials und ein Plan für die breite Nutzung.
Video mit leiser Hintergrundmusik (80 Sekunden): die Idee von CAFÉ+, die fünf Stufen und die Partnerschaft. Es startet ohne Ton; schalten Sie den Ton ein, um die Musik zu hören.
So funktioniert es

Fünf Stufen – vom ersten Besuch bis zu anerkannten Kompetenzen

Ein Kompetenzcafé beginnt dort, wo Erwachsene schon sind, und wächst Schritt für Schritt. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf – und alle Erwachsenen entscheiden selbst, wie weit sie gehen.

  1. Stufe 1

    Vorbeikommen

    Kommen Sie in ein Sprachcafé in Ihrer Nachbarschaft oder in ein Kompetenzcafé an Ihrem Arbeitsplatz. Die Tür ist offen – ohne Stempel und ohne Verpflichtung.

  2. Stufe 2

    Ausprobieren

    Kurze Schnupperaktivitäten stärken eine Kompetenz, während Sie die Sprache üben. Peer-Botschafter:innen laden Sie zum Mitmachen ein, und an manchen Standorten lernen jüngere und ältere Erwachsene gemeinsam.

  3. Stufe 3

    Mitmachen

    Sechzehn wöchentliche Treffen im Kompetenzcafé – mit Kinderbetreuung, kurzen Einheiten, Online-Aktivitäten und Abendterminen. Zu Beginn halten Sie fest, wo Sie stehen und wohin Sie wollen.

  4. Stufe 4

    Weiterkommen

    Sie legen ein Portfolio mit dem an, was Sie können, und gehen Ihren eigenen Bildungsweg. Zwei persönliche Beratungsgespräche helfen Ihnen bei der Planung – und auf Wunsch stellen wir Sie persönlich bei der öffentlichen Arbeitsvermittlung vor.

  5. Stufe 5

    Nachweisen

    Sie erwerben ein CF10-Microcredential, zertifiziert nach der internationalen Norm ISO 17024. Arbeitgeberverbände kennen diese Nachweise und wissen so, was Sie können.

Die fünf Stufen werden ab 2028 mit 420+ Erwachsenen an 31 Kompetenzcafé-Standorten in sechs Ländern erprobt.

Ziele

Was wir erreichen wollen

Wir wollen mit Erkenntnissen aus sechs Ländern zeigen, wie die informellen Orte, denen Erwachsene schon vertrauen, zu validierten Weiterbildungspfaden werden können – und diese Erkenntnisse in die Politik bringen.

  1. 1

    Erfassen, was wirkt

    Vertraute Lernorte in sechs Ländern erfassen und von 200+ Teilnehmenden in Sprachcafés erfahren, was sie motiviert und was sie zurückhält.

  2. 2

    Werkzeuge entwickeln

    Den CF10-Rahmen für Zukunftskompetenzen, einen Methodenkoffer mit 30+ Gesprächsaktivitäten und einen Moderationsleitfaden entwickeln – kostenlos und offen für alle.

  3. 3

    Die Menschen vorbereiten, die es möglich machen

    Moderator:innen und 70 Peer-Botschafter:innen schulen, damit sie einladende Kompetenzcafés leiten, die sich mit Betreuungspflichten vereinbaren lassen.

  4. 4

    Erproben und messen

    Pilot-Kompetenzcafés mit 420+ Erwachsenen an 31 Standorten durchführen und die Ergebnisse mit herkömmlichen Sprachcafés vergleichen.

  5. 5

    Politik mitgestalten

    Die Ergebnisse gemeinsam mit Arbeitsvermittlung, Arbeitgeber:innen und Politik in politische Empfehlungen und einen Umsetzungsplan übertragen.

Zeitplan

Was wann passiert

Jän. 2027Projektstart
0Materialien verfügbar
0Materialien in Arbeit
6Materialien geplant
Phase 1Leitfaden NetzwerkarbeitVoraussichtlich Februar 2028
Geplant
Phase 2CF10-KompetenzrahmenVoraussichtlich Oktober 2027
Geplant
Phase 2CLIL-Methodenkoffer für KompetenzcafésVoraussichtlich März 2028
Geplant
Phase 3CF10-MicrocredentialsVoraussichtlich Oktober 2029
Geplant
Phase 3Bericht zu den PilotergebnissenVoraussichtlich November 2029
Geplant
Phase 4Politikpapier und UmsetzungsplanVoraussichtlich Dezember 2029
Geplant

Wie die Materialien zusammenwirken

Die sechs Materialien bilden eine Kette: Jede Phase baut auf der vorherigen auf, und der CF10-Rahmen für Zukunftskompetenzen zieht sich durch alle.

  1. Phase 1

    Zuhören und vernetzen

    Die Partner erfassen vertraute Lernorte in sechs Ländern, hören 200+ Teilnehmenden von Sprachcafés und 252 Erwachsenen in Dialogrunden zu und vernetzen die Cafés mit Arbeitsvermittlung und Arbeitgeber:innen. Alles Weitere baut auf dem auf, was sie dabei erfahren.

  2. Phase 2

    Werkzeuge entwickeln

    Der CF10-Kompetenzrahmen beschreibt zehn Zukunftskompetenzen; der Methodenkoffer und der Moderationsleitfaden machen daraus Gesprächsaktivitäten für den Alltag; Moderator:innen und Peer-Botschafter:innen werden darin geschult, sie einzusetzen.

  3. Phase 3

    Erproben und messen

    Kompetenzcafés bieten an 31 Standorten 16 wöchentliche Treffen für 420+ Erwachsene an. Die Ergebnisse werden mit herkömmlichen Sprachcafés verglichen, und die Erwachsenen erwerben CF10-Microcredentials.

  4. Phase 4

    Anerkennen und ausweiten

    Arbeitgeber:innen befürworten die Microcredentials, ein Politiknetzwerk bringt die Ergebnisse zu den nationalen Behörden, und ein Umsetzungsplan hilft anderen, nach Projektende selbst Kompetenzcafés einzuführen.

Empowerment-Materialien

Sechs Materialien, kostenlos für alle

Alle Materialien von CAFÉ+ sind kostenlos und stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0; die wichtigsten Materialien erscheinen auf Englisch und in den Partnersprachen.

01Geplant

Leitfaden Netzwerkarbeit

Wie Sprachcafés mit Bildungsanbietern, Arbeitsvermittlung und Arbeitgeber:innen vernetzt werden, damit Erwachsene den Weg in Weiterbildung oder Arbeit finden.

Phase 1 · Voraussichtlich Februar 2028Mehr erfahren →
02Geplant

CF10-Kompetenzrahmen

Zehn Zukunftskompetenzen für Erwachsene – etwa kritisches Denken, digitales Problemlösen und Anpassungsfähigkeit –, verknüpft mit EU-Rahmenwerken, ESCO und dem EQR.

Phase 2 · Voraussichtlich Oktober 2027Mehr erfahren →
03Geplant

CLIL-Methodenkoffer für Kompetenzcafés

30+ Gesprächsaktivitäten, die Sprache und Zukunftskompetenzen gemeinsam stärken – mit einem Paket für altersgemischte Gruppen und Online-Aktivitäten für Menschen mit Betreuungspflichten.

Phase 2 · Voraussichtlich März 2028Mehr erfahren →
04Geplant

CF10-Microcredentials

Zehn Microcredentials, erworben über ein Portfolio im Kompetenzcafé, nach EU-Standards gestaltet und durch ein Zertifizierungssystem nach ISO 17024 abgesichert.

Phase 3 · Voraussichtlich Oktober 2029Mehr erfahren →
05Geplant

Bericht zu den Pilotergebnissen

Kompetenzcafés mit 420+ Erwachsenen an 31 Standorten in sechs Ländern im Vergleich mit herkömmlichen Sprachcafés: Wer hat teilgenommen, was haben die Menschen gelernt, und wie ging es für sie weiter?

Phase 3 · Voraussichtlich November 2029Mehr erfahren →
06Geplant

Politikpapier und Umsetzungsplan

Empfehlungen für die Politik in der EU und in den Mitgliedstaaten sowie ein Schritt-für-Schritt-Plan, mit dem Einrichtungen und Bildungsanbieter nach Projektende Kompetenzcafés einführen können.

Phase 4 · Voraussichtlich Dezember 2029Mehr erfahren →

Jede Person hat das Recht auf allgemeine und berufliche Bildung und lebenslanges Lernen von hoher Qualität und in inklusiver Form, damit sie Kompetenzen bewahren und erwerben kann, die es ihr ermöglichen, vollständig an der Gesellschaft teilzuhaben und Übergänge auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu bewältigen.

— Europäische Säule sozialer Rechte, Grundsatz 1Proklamiert vom Europäischen Parlament, vom Rat und von der Kommission, Göteborg, 17. November 2017
Lernwege · Einer für jede Gruppe

Die Lernwege von CAFÉ+

Drei Lernwege, Schritt für Schritt – für Moderator:innen, Peer-Botschafter:innen und erwachsene Lernende. Sie bündeln für jede Gruppe die Werkzeuge, Schulungen und Aktivitäten von CAFÉ+.

Für Moderator:innen Für Peer-Botschafter:innen Für erwachsene Lernende

Jeder Lernweg zeigt, wo Sie anfangen, welche Werkzeuge von CAFÉ+ Sie in jeder Stufe nutzen und wie das Lernen zu Anerkennung und zu einem nächsten Schritt in Weiterbildung oder Arbeit führt. Die Lernwege werden hier kostenlos veröffentlicht, sobald die Werkzeuge und Schulungen verfügbar sind.

Erwartete Wirkung

Was sich ändern wird

420+Erwachsene in den Pilot-Kompetenzcafés
31Kompetenzcafé-Standorte in sechs Ländern
70geschulte Peer-Botschafter:innen
240+Praktiker:innen bei sechs nationalen Veranstaltungen

Mehr als Zahlen: Was sich für Menschen ändert

CAFÉ+ will dauerhaft verändern, was Erwachsene, Moderator:innen und Entscheidungsträger:innen wissen, können und denken – und was sie anders machen.

Wissen

Was Menschen wissen und verstehen werden.

  • ErwachseneWelche Zukunftskompetenzen sie schon haben und wohin diese führen können
  • Moderator:innenWie Alltagsgespräche mit den CF10-Kompetenzen und EU-Rahmenwerken zusammenhängen
  • Entscheidungsträger:innenErkenntnisse aus sechs Ländern darüber, was geringqualifizierte Erwachsene zum Lernen bringt

Fähigkeiten

Was Menschen können werden.

  • ErwachseneKritisch denken, Probleme mit digitalen Werkzeugen lösen und sich anpassen – und dabei die Landessprache verbessern
  • Moderator:innenTreffen im Kompetenzcafé mit CLIL-Aktivitäten und dem Reziproken Maieutischen Ansatz leiten
  • Entscheidungsträger:innenMicrocredentials und Vermittlungswege nutzen, um informelles Lernen mit dem Bildungssystem zu verbinden

Haltungen

Wie sich Sichtweisen und Motivation verändern.

  • ErwachseneSehen sich wieder als Lernende und trauen sich den nächsten Schritt zu
  • Moderator:innenSchätzen, was Erwachsene schon wissen, und holen das Lernen aus der Gruppe heraus
  • Entscheidungsträger:innenVertrauen Orten in der Community als ernsthaftem Weg in die Weiterbildung

Verhalten

Was Menschen anders machen werden.

  • ErwachseneBeginnen eine Weiterbildung, nutzen die Arbeitsvermittlung oder bewerben sich mit anerkannten Nachweisen
  • Moderator:innenMachen Kompetenzcafés zu einem festen Teil ihres Angebots – mit Formaten, die sich mit Betreuungspflichten vereinbaren lassen
  • Entscheidungsträger:innenBefürworten die Microcredentials und unterstützen Kompetenzcafés in ihren eigenen Systemen

So wird die Veränderung gemessen: ein vorab registrierter Vergleich von Kompetenzcafés mit herkömmlichen Sprachcafés – 168 Messzyklen zu drei Zeitpunkten, geprüft von einem unabhängigen wissenschaftlichen Beirat – sowie Beobachtungsprotokolle der Moderator:innen und eine Nachbefragung sechs Monate nach Projektende.

Partnerschaft

7 Organisationen, 6 Länder

Eine öffentliche Integrationsagentur, NGOs, die mit Roma, Migrant:innen und Geflüchteten arbeiten, Organisationen für Erwachsenenbildung und soziale Inklusion sowie ein EdTech-Unternehmen – aus Österreich, Tschechien, Finnland, Griechenland, Rumänien und Spanien.

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